Hintergrundwissen - Anforderungen an die Zoohaltung von Elefanten

 

Maßstab für die Beurteilung der Haltungsqualität von Elefanten ist, in welchem Umfang sie das aus dem Freiland nachgewiesene Verhaltensrepertoire wildlebender Artgenossen auch in Menschenhand ausleben können. Bezugspunkt muss folglich immer das Freilandverhalten sein.

Flächenbedarf

Minimalbeispiele:

unzu-reichende

Außengehege
 

Noch immer müssen in vielen Zoos die größten Landtiere der Erde ein Leben auf engstem Raum verbringen. Von 136 Elefantenhaltern in Europa wiesen 58 Außenanlagen von unter 2.000 m² auf. In 25 Haltungen gibt es nur Außenflächen von weniger als 1000 m² (18,4%, Stand: Juni 2010).
In 9 von 28 deutschen Zoos werden Elefanten in Gehegen von weniger als 2000 m² gehalten. Dies entspricht fast einen Drittel aller Halter (Stand: Juni 2010). In vier Einrichtungen müssen Elefanten gegenwärtig auf weniger als 1000 m² leben.
Mindestvorgaben für Elefanten in Deutschland: Säugetiergutachten (1996/BNL)

unzureichende Ställe Aus klimatischen Gründen müssen viele Elefanten nachts oder im Winterhalbjahr längere Zeit in den Innenanlagen untergebracht werden. Zu viele Tiere stehen in Zoos der gemäßigten Klimazone dann halb- oder ganztags, mitunter wochen- oder sogar monatelang in kleinen betonierten Ställen, mancherorts noch angekettet.
 

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Positive Beispiele:

ausreichend weiträumige 

Außenanlagen

Moderne Zoos überschreiten die gesetzlichen Mindestanforderungen freiwillig um ein Mehrfaches. Immer mehr Einrichtungen stellen ihren Elefanten inzwischen Flächen zur Verfügung, die momentane Wohnräume von wilden Elefanten nachbilden können, also im Minimum etwa 1 – 2 Hektar: 21 europäische Zoos weisen Elefantenanlagen von über 1 Hektar Fäche auf (bereits ein Sechstel aller Halter, Stand: Juni 2010). 13 weitere Halter haben im Jahr 2010 bereits Elefantenanlagen mit Flächen von mehr als einem halben Hektar bis zu einem Hektar vorzuweisen. Somit weist im Jahr 2010 ein Viertel aller Elefanten haltenden Zoos in Europa für ihre Rüsseltiere Außengehege zwischen 5.000 und 200.000 m² (0,5 – 20 ha) auf.
Die größte Elefantenanlage in einem Zoo weltweit befindet sich im spanischen Zoopark Carbaceno.

großzügige Innenanlagen

Zunehmend mehr Zoos schaffen dem regionalen Klima angepasste Innenanlagen für Elefanten. In zeitgemäßen Elefantenhäusern können die Tiere nachts und im Winter ein gemeinsames Innengehege nutzen. Zeitweilige Abtrennmöglichkeiten sind trotzdem erforderlich.

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Komfortverhalten und Selbstpflege: 

Wenig Struktur und Enrichment:

unstrukturierte Außengehege

Zu viele Elefantenanlagen sind auch im Jahr 2010 nicht ausreichend für eine Selbstpflege und Eigenbeschäftigung ausgestattet. Mancherorts sind keine Bademöglichkeiten und nicht einmal Schattenzonen vorhanden. Fehlende Rückzugsmöglichkeiten verstärken Spannungen. Beispiele für mangelhaft ausgestattete Elefantenanlagen lassen sich in ganz Europa finden.

Ställe mit harten Böden

In den meisten Elefantenhäusern, bei mitteleuropäischen Witterungsverhältnissen Aufenthaltsort der Dickhäuter für oft 14 bis manchmal 23 Stunden pro Tag (Winter), stehen die größten Landsäugetiere immer noch auf Betonböden. Dies führt nachweislich häufig zu Fußerkrankungen, die in der Vergangenheit allzu oft zur haltungsbedingten Todesursache von Zooelefanten wurden.

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Positive Beispiele:
 

gut strukturierte Außenanlagen

Gut ausgestattete Elefantenanlagen ermöglichen den Tieren eigenständige Hautpflege und Selbstbeschäftigung – in Ergänzung zu selbst initiiertem Sozialverhalten, Futteraufnahme etc. Dies erfolgt durch Schlammsuhlen und geeignete Badebecken, Lehmhügel, Sandhaufen und Scheuerstellen. Naturböden tragen zur Gesunderhaltung der Füße bei. Schattenzonen für alle Tiere können durch Sonnendächer oder erhöhte Pflanzinseln geschaffen werden. Verhaltensbereicherung durch Autoreifen und Punchingbälle hilft, Langeweile zu verhindern. Sichtblenden und Rundläufe schaffen Ausweichräume und Rückzugszonen. Dies reduziert soziale Spannungen.

gut eingerichtete Innenanlagen

 Gut ausgestattete Indooranlagen wie z.B. in den Zoos von Amersfoort/NL oder Chester/UK  zeichnen sich durch große Naturbodenbereiche und Komfortmöglichkeiten (Bad, Scheuerstellen) aus. Sand in den Innenanlagen entlastet die Füße zusätzlich und ermöglicht Beschäftigung sowie bequemes Abliegen auch während der Nachtstunden und langer Herbst- und Wintertage. Bei entsprechender Strukturierung können Elefanten auch in Zoos Komfortverhalten wie im Freiland ausleben.

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Sozialverhalten:

ungeeignete Sozialstrukturen

 
Weibchen ohne enge Sozial-partnerinnen

Gruppen ausschließlich erwachsener Weibchen – ohne Bullen und Nachzucht - ermöglichen Elefanten nur wenig arttypisches Sozialverhalten. Zwischen unverwandten Weibchen entstehen stattdessen – speziell ohne eigene Jungtiere - vermehrt Spannungen, die auch zu Auseinandersetzungen führen können.
Werden im Zoo geborene Elefantinnen ohne ihre Mütter an andere Einrichtungen abgegeben, verlieren beide ihre wichtigsten Sozialpartner. Trennung von Müttern und Töchtern
reduziert nicht nur die Selbstbeschäftigung unter den Elefanten, sondern kann sogar zu tiefgreifenden psychischen Belastungen der betroffenen Tiere führen.

isolierte Bullen

Aber auch Elefantenbullen sind sehr soziale Tiere und nicht dauerhaft die Einzelgänger, für die sie lange gehalten wurden. Zoos, die ihre Bullen abgeschottet von den übrigen Elefanten halten oder ihnen nur zu Paarungszwecken Kühe in oftmals noch zu kleinen Gehegen zuführen, können männliche Elefanten nicht ausreichend verhaltensgerecht pflegen.

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Geeignete Sozialstrukturen

 

Familiengruppen

Das geradezu sprichwörtliche intensive Sozialverhalten der intelligenten Riesen wird in ausreichendem Umfang nur möglich, wenn Mütter und Töchter möglichst lebenslang zusammenbleiben können. Zeitgemäße Halter lassen Elefantenmütter mit ihren Töchtern und deren Nachwuchs heutzutage Familiengruppen bilden. Der Zoo von Howletts / Großbritannien züchtet beispielsweise mit einer Familie von vier Generationen.
Elefantinnen in solchen Familiengruppen können natürliches Sozialverhalten in sehr umfangreichem Maße ausüben.

Lesen Sie hier, wie positiv sich ungestörte Gruppengeburten auswirken!!

sozialisierte Bullen

Zoos, die ihre Bullen gemeinsam mit der Weibchengruppe halten, berichten über positive Effekte für alle Tiere. Auf diese Weise stellen sie somit auch ihren erwachsenen Männchen größtmögliche Bewegungsfreiheit zur Verfügung.
Durch männlichen Nachwuchs wird es zu den Herausforderungen der Elefantenhaltung zählen, einen Teil des Bullenbestandes in reinen Bullengruppen zu pflegen. Zukünftig wird nicht jedes Männchen gleich in der Zucht eingesetzt werden können, doch Beispiele von gut funktionierenden "Junggesellengruppen" gibt es bereits in Europa

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Fressverhalten:

unzureichend: wenig Beschäftigung und kurze Nahrungsaufnahme

vorgelegte Hauptmahlzeiten

Elefanten Heu und Kraftfutter nur ein- oder zweimal täglich „mundgerecht“ auf dem Boden vorzuschütten, ermöglicht den geschickten Rüsseltieren keine naturgemäße Beschäftigung bei der Nahrungsvorbereitung und –aufnahme. In Zoos, die ihre Elefanten derart füttern, ist die Zeit der Nahrungsaufnahme deutlich verkürzt. Der Beschäftigungseffekt wird zusätzlich verringert, wenn zu wenige Äste angeboten werden.

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geeignet: aufwändige, langandauernde Futteraufnahme

Fütterungs-enrichment

Durch Wahl von geeigneten Fütterungsmethoden bzw. –systemen existieren Methoden, um Elefanten in Zoos nahezu ganztägig beschäftigen zu können. Hierzu zählen etwa hoch hängende Heunetze oder Futtertonnen, mit Leckerbissen bestückte Betonröhren, Streufütterungen u.ä. Die Gabe von kompakten Futterstoffen, namentlich Ästen, erfordert eine zeitaufwändige Futtervorbereitung durch die Elefanten, ist somit besonders positiv zu bewerten.

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