Entwicklungen im Zoo Karlsruhe

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03.07.2016: Nach Übernahme der Elefantenkuh "Nanda": Stellungnahme von Elefanten-Schutz Europa e.V.


03.07.2016: Nach Übernahme der Elefantenkuh "Nanda" - Dialog mit dem Zoo Karlsruhe und der Landestierschutzbeauftragten - ohne Erfolg für die Elefanten?

Stellungnahme von Elefanten-Schutz Europa e.V.

Wer die Arbeit unseres Vereins in den letzten Jahren verfolgt hat, ist darüber informiert, wie problematisch sich die Kommunikation zwischen der EEG und dem Zoo Karlsruhe gestaltete. Ein Austausch mit der EEG über den aktuellen Stand und Entwicklungsmöglichkeiten der Karlsruher Elefantenhaltung wurde von den früheren Entscheidungsträgern lange Zeit nicht gewünscht bzw. konsequent abgeblockt.

Nach Übernahme des Direktorenpostens durch Dr. Matthias Reinschmidt zeigte sich der Zoo Karlsruhe bei einer erneuten Kontaktaufnahme unserem Verein gegenüber dialogbereit. Bei einem Lokaltermin am 26.02.2016 stellten Dir. Dr. Reinschmidt und Elefanten-Revierleiter Robert Scholz Vertretern unseres Vereins das Konzept einer zukünftigen "Altersresidenz" für ältere und speziell Circuselefantenkühe vor. Beschrieben wurden zudem die dafür erforderlichen Pläne zur Gehegeerweiterung von derzeit rd. 1.100 m² auf etwa 3.000 m², welche jedoch derzeit noch nicht vom Stadtrat endgültig bewilligt sind. Für Jürgen Schilfarth und Ingo Schmidinger vom Vorstand sowie die Karlsruher Mitglieder Frau Julia Arndt, M.Sc. Biol., und Frau Dr. Christiane Marsch bestand die Gelegenheit zum Gedankenaustausch mit den verantwortlichen Zoovertretern.

Elefanten-Schutz Europa verdeutlichte, dass die Idee grundsätzlich begrüßenswert sei, jedoch aus Sicht der EEG vor Umsetzung etliche Verbesserungen erforderlich sind. Hierzu zählt neben der dringend erforderlichen Erweiterung der Gehegeflächen vorrangig die Schaffung von außen bedienbarer Tore bei allen Gehege- bzw. Hausübergängen, um unabhängig vom praktizierten Haltungssystem auf Geschützten Kontakt vorbereitet zu sein, bevor neue Elefanten aufgenommen werden. Gerade im Hinblick auf das Wohl der ältesten Bewohnerinnen "Rani" und "Shanti" in Kombination mit den derzeit bei weitem nicht erfüllten Vorgaben des Säugetiergutachtens ist aus Vereinssicht eine Übernahme weiterer Elefanten aktuell nicht vertretbar. Dies sollte aus Tierschutzgründen erst nach Ableben dieser betagten Seniorinnen angedacht werden. Derzeit besteht nur noch übergangsweise eine Ausnahmegenehmigung für die vorhandenen Tiere.

Mit dem Gefühl, eine konstruktive Gesprächsatmosphäre erzielt und zukünftigen regelmäßigen Informationsaustausch vereinbart zu haben, zogen die Gesprächsteilnehmer sowohl der EEG wie auch des Zoo Karlsruhe eine vorläufige positive Gesprächsbilanz.

Am 07.06.2016 erfuhr die EEG durch Beiträge in sozialen Netzwerken wie aus anderen Medien von der Übernahme der Circuselefantenkuh "Nanda" vom Circus Schollini/Hardy Scholl durch den Zoo Karlsruhe. Somit wurde deutlich, dass wir eines der Hauptziele unserer Bemühungen - eine Verschlechterung der Haltungsbedingungen für "Rani" und "Shanti" durch vorzeitige Aufnahme zusätzlicher Elefanten zu vermeiden - nicht erreichen konnten.

Wenn sich unser Verein bei Projekten engagiert, versuchen wir Pro und Contra immer vor der Fragestellung "Was bringt es dem Elefanten?" abzuwägen. Dementsprechend müssen die Vorteile der Abgabe von "Nanda" aus dem Circus klar benannt werden:

1. Fraglos positiv zu bewerten ist, dass die 49-jährige, gesundheitlich angeschlagene Kuh nun nicht mehr dem Reisestress ausgesetzt ist.

2. Zudem bestehen in stationärer Zoo-Obhut grundsätzlich komfortablere Haltungsbedingungen als ein Reisecircus je bieten kann.

3. Auch die tierärztliche Versorgung der stark sehbehinderten "Nanda" wird sich zukünftig verbessern.

Die Nachteile sind demgegenüber allerdings ebenfalls zu benennen, denn durch den Transfer verschlechtern sich die Haltungsbedingungen für mindestens vier, ggf. sogar fünf Elefanten, während sich die Haltungsumstände für "Nanda" auch nur in Teilen verbessern:

1. Der Zoo Karlsruhe hatte schon für 3 Elefanten nur die Hälfte der Fläche, welche das Säugetiergutachten fordert. Für seinen Anspruch auf ein "Altersheim für Elefanten" ist zudem bisher nicht annähernd die passende Ausstattung vorhanden (Sandboxen für alle Bewohner gleichzeitig, PC-Voraussetzungen). Nun müssen unter diesen Bedingungen 4 Elefanten gehalten werden, doch es ist im Zoo Karlsruhe nicht möglich, allen 4 Tieren gleichzeitig adäquate Haltungsbedingungen Tag und Nacht zu bieten:

- Statt rechnerisch ein Drittel an Fläche von Anlage und Haus steht jedem Elefanten jetzt nur ein Viertel der Fläche zur Verfügung - außen ca. 275 m² je Weibchen. Das Säugetiergutachten fordert mindestes 500 m² je älterer Kuh bei mindestens 2.000 m² Gehegefläche.

- Es ist nicht mehr möglich, alle Tiere gleichzeitig draußen auf Naturboden oder drinnen auf Sandboden unterzubringen und Komfortverhalten zu ermöglichen, denn die 4 Elefanten werden in 3 Gruppen gehalten. Bei 2 Außen-Teilanlagen muss entweder eine davon im Haus oder im 100 m² kleinen betonierten Vorgehege bleiben. Da die Elefanten auch im Sommer erst zwischen 9 und 10 Uhr früh ins Außengehege, aber bereits gegen ca. 16 Uhr wieder ins Haus kommen, stehen alle 4 Tiere rund 17 Stunden jeden Tag im Innenbereich. Dort muss aber zumindest eine der Gruppen durchgehend in einer der Betonboxen stehen.

2. Der soziale Druck für die beiden 60-jährigen Karlsruher Altkühe steigt mit der neuen Mitbewohnerin.

3. Die geplanten Flächenerweiterungen des Außengeheges sind bisher noch nicht endgültig genehmigt worden. Mit der Fertigstellung ist nicht vor 2018 zu rechnen und das Projekt ist noch nicht sichergestellt.

4. Bisher erfolgten Versuche, "Nanda" wahlweise mit den beiden alten Kühen oder mit "Jenny" zu vergesellschaften, überwiegend unter Aufsicht bzw. mit verstärkter Reglementierung durch die Pfleger. Ob dies erfolgreich sein kann - was bedeutet, die Weibchen auch ohne Aufsicht gemeinsam in einer Anlage zu halten - wird sich erst im Laufe der Monate zeigen.

5. "Nanda" hat durch die Einzelabgabe ihre Partnerin "Maya" verloren, welche im Circus verbleibt. Mit ganz viel Glück könnte sie eine neue Freundin in Karlsruhe finden, aber das ist nach den Erfahrungswerten a) nicht sehr wahrscheinlich, bleibt b) somit abzuwarten und darf für wissenschaftlich geleitete Zoos c) keine Rechfertigung sein, eine der so seltenen Bindungen zwischen unverwandten Kühen aufzubrechen.

- Die Angabe des früheren Halters, der älteren "Nanda" einen angenehmen Lebensabend zu ermöglichen, kann hierfür nicht als ausreichender Grund gelten. Wenn ihm das Wohl seiner Elefanten wirklich am Herzen liegen würde, wäre die gemeinsame  Abgabe der freundschaftlich verbundenen Kühe zwingend gewesen.

- Dies wäre auch vom aufnehmenden Zoo zu beachten gewesen, welcher folgerichtig entweder nur beide gemeinsam oder gar keine der Scholl-Elefantenkühe hätte übernehmen dürfen. Abgabeplätze für 2 Asiatenkühe hätten sich in Europa finden lassen.

6. "Maya" bleibt im Circus und ist derzeit allein. Dies ist nach gültigen Leitlinien nicht gestattet, doch aufgrund der bloßen Ankündigung des Halters, in Kürze eine weitere Elefantin übernehmen zu wollen, scheint dies für die Erlaubnis erteilende Behörde im Salzlandkreis  ausreichend gewesen zu sein, um die Einzelhaltung von "Maya" vorübergehend zu genehmigen. Wie lange der Begriff "vorübergehend" ausgedehnt werden kann, konnte oder wollte Amtstierarzt Dr. Kienitz unserem Verein auf Nachfrage nicht mitteilen.

7. Selbst wenn "Maya" eine neue Mit-Elefantin erhält, ist es analog zu "Nandas" Sozialprognose in Karlsruhe wenig wahrscheinlich, dass "Maya" in einer neuen Artgenossin eine neue Freundin finden wird.

Bereits längere Zeit vor und auch nach der Unterbringung von "Nanda" in Karlsruhe standen Vorstandsmitglieder in Kontakt mit der für Karlsruhe zuständigen Tierschutzbeauftragten des Landes Baden-Württemberg, Frau Dr. Cornelie Jäger. Auch Frau Dr. Jäger sieht den Bedarf nach Schaffung von Voraussetzungen für Geschützten Kontakt sowie die geplanten Erweiterungen als dringlich an. Doch die Beendigung des Mitführens einer Elefantenkuh im Circus ist ihr ein besonders wichtiges politisches Anliegen. Im Gespräch mit unseren Vorstandsmitgliedern Jürgen Schilfarth und Ingo Schmidinger betonte die Landestierschutzbeauftragte deshalb, dass die freiwillige Abgabe von "Nanda" in den Karlsruher Zoo aus ihrer Sicht als Erfolg bewertet wird, von dem sie sich eine positive Signalwirkung gegenüber anderen Elefantenhaltern im Circus verspricht.

Obwohl dieses Argument nicht von der Hand zu weisen ist, sieht die EEG zusätzlich drei weitere, wenig positive Signale von diesem Transfer ausgehen:

1. Circus-Elefantenhalter Scholl wird eine Verlängerung seiner Elefantenhaltung in Aussicht gestellt, da er ein kränkelndes altes Tier gegen eine ca. 10 Jahre jüngere Kuh ersetzen will. Statt die Elefantenhaltung im Circus Schollini durch Abgabe beider Elefanten zugleich kurzfristig zu beenden, könnte diese Haltung, welche ebenso unzureichend ist wie jede andere Haltung der Tierriesen im Reisebetrieb, um Jahre verlängert werden. Neben der freiwilligen Abgabe ist auch dies ein Signal, dass die Circuswelt sicherlich verstehen wird.

2. Das Signal an die Zoowelt, trotz Haltungseinrichtungen, die dem gültigen Säugetiergutachten nicht ansatzweise genügen, weiterhin einfach durch das Signalisieren von Ausbauwillen Genehmigungen zur Aufnahme neuer Elefanten zu erhalten, ist kein gutes im Sinne des Tierschutzes.

3. Zur Genehmigung des Transfers wird der Schwerpunkt ausschließlich auf die Verbesserung der Lebensumstände eines Elefanten gelegt, die evtl. Verschlechterung für 3 Zoo- bzw. ausbleibende körperliche und psychische Verbesserungen für den 2. Circuselefanten werden vernachlässigt. Die durch Trennung von "Nanda" und "Maya" verursachte massive soziale Verarmung beider Individuen wird komplett ausgeblendet. Auch dies ist ein negatives Signal, denn es manifestiert, dass die physischen Haltungsbedingungen offenbar die einzig zählenden sind, während die sozialen Bedürfnisse eher unwichtig und im Bedarfsfall vernachlässigbar erscheinen - zumindest werden sie bei verschiedenen Tierindividuen hier unterschiedlich gewichtet.


06.03. 2015: Nach Besichtigungstermin: Pläne für Karlsruhe wurden verändert
 

Am 11.02.2015 reisten Vertreter des Berliner Tierparks sowie Vertreter der EAZA-Expertenkommission einschl. des EEP-Koordinators für Asiatische Elefanten nach Karlsruhe, um sich ein Bild von der Karlsruher Elefantenhaltung zu verschaffen. Ungewöhnlich spät, erst nach fünf Tagen, erschienen Bekanntmachungen der Pressestelle der Stadt Karlsruhe über Ergebnisse dieses Lokaltermins. Obwohl diese Meldungen - wie alle vorherigen - die Karlsruher Elefantenhaltung ausgesprochen positiv darstellen, lässt sich zwischen den Zeilen herauslesen, dass Zoo und Stadt Karlsruhe von ihren bisherigen Plänen teils deutlich Abstand nehmen mussten. Dies zeigt sich bei Gegenüberstellung der veröffentlichten Planungen vor und nach dem Besichtigungstermin eindrucksvoll.

Vorbereitung auf die neuen Elefanten

Vorher: Zoo und Stadt Karlsruhe haben immer betont, bestens gerüstet zu sein für die Übernahme neuer Elefanten. Umbaubedarf wurde auch auf Nachfrage immer negiert. Es wurde beständig auf die große "Erfahrung bei der Integration neuer Elefanten" verwiesen.

Nachher: „Der Fachaustausch der Elefantenexperten ist für uns eine Bestätigung unserer guten Elefantenhaltung“, so Dr. Becker: „Über die in jüngerer Zeit bereits erfolgten Anpassungen der alten Anlage für eine Altersresidenz für Elefanten hinaus werden wir das Know-how unseres Elefanten-Pflegerteams weiterhin in die Optimierung der Elefantenhaltung stecken - auch über den Erfahrungsaustausch mit den Berliner Kollegen“, so zitiert die Presseinformation den kommissarischen Direktor Dr. Clemens Becker. Die besagten "erfolgten Anpassungen" sind erst in den letzten Wochen erfolgt. Sie beziehen sich nicht nur auf die nun stabil mit Zwischenpfosten ausgeführte Trennung der nur etwas über 1.000 m² kleinen Außenanlage und die mögliche Trennung des neuen Anbaus in mehrere Abteilungen mit Stahlseilen. Weiterhin wurde nun auch das Tor zwischen Anbau und Vorgehege elektrisch und von außen bedienbar  umgebaut. Dass nun begonnen wurde entsprechend nachzurüsten, deckt sich mit entsprechenden Forderungen von Elefanten-Schutz Europa seit der Umbauphase nach dem Brand 2010. Gerade die Schaffung solcher Einrichtungen, welche die Betreuung unzuverlässiger Elefanten ohne Direkten Pflegerkontakt ermöglichen, wurde von Karlsruher Seite auf Nachfrage immer als für das alte Haus nicht notwendig abgelehnt.

Trotz der immer wiederholten "großen Erfahrung" bei der Integration wurden der Presse zufolge weitere Treffen der Berliner und Karlsruher Elefantenpfleger vereinbart, welche von Karlsruhe während der vormaligen Planungsstände nie als notwendig avisiert wurden. Doch seinerzeit hatte der Zoo sich auch nur um die Übernahme zweier braver Kühe bemüht. Die neuen Pläne fordern dagegen offenbar Weiterbildungen der Karlsruher Pfleger, was wohl auch dadurch bedingt ist, dass nun ein Tier aufzunehmen ist, welches den Karlsruher Verhältnissen nicht ohne weiteres angepasst werden kann.

Elefanten für Karlsruhe

Vorher: 2 Kühe - "Astra" und "Louise". Betont wurde stets explizit, dass die Pfleger sich bereits in Berlin mit den Charakteren der dortigen Elefanten vertraut gemacht und als geeignete Neu-Karlsruherinnen "Louise" und "Astra" identifiziert haben.

Nachher: 3 Kühe - "Astra", "Louise" und "Frosja"

Nur auf den ersten Blick macht Karlsruhe durch den Erhalt von mehr Elefanten einen besseren Schnitt. Fakt ist, dass Karlsruhe bereits zu Beginn der Verhandlungen gebeten wurde, die mit "Louise" befreundete "Frosja" zu übernehmen, dies jedoch bisher immer ablehnte. Der Grund: "Frosja" hat in Berlin bereits Pfleger verletzt und die Verantwortlichen in Karlsruhe befürchteten negative Schlagzeilen, falls dieses Tier auch in Karlsruhe Probleme im Direkten Kontakt verursachen sollte. Karlsruhe lehnte bauliche Veränderungen für eine Haltung ohne Direkten Pflegerkontakt bisher ab.

Es ist davon auszugehen, dass die Abgabe von Elefanten aus Berlin entgegen der Karlsruher Vorstellungen an eine Übernahme von "Frosja" gekoppelt wurde. Da die enge Freundschaft von "Louise" und "Frosja" seit fast zwei Jahrzehnten besteht, plädiert Elefanten-Schutz Europa seit Bekanntwerden der Transferpläne dafür, diese beiden Weibchen nur gemeinsam umzusiedeln.

Zeitpunkt der Übernahme

Vorher: Ankunft der Berliner Elefanten wurde aus Karlsruhe mit "Anfang 2015" annonciert, unabhängig von den Entwicklungen im derzeitigen Karlsruher Elefantenbestand.

Nachher: Kein konkreter Zeitplan mehr, Ankunft der Elefanten frühestens, nachdem eine der beiden greisen Karlsruher Kühe verstorben ist. Offenbar wird von den Entscheidungsträgern eine vorherige Übernahme weiterer Elefanten doch als Gefährdung für das Wohl der beiden ältesten Karlsruher Kühe gewertet. Die in der Karlsruher Presse verbreitete Version, dass sich der Umbau des Berliner Elefantenhauses (unerwartet) verzögert und deshalb die Abgabe der dortigen Elefanten nicht mehr ganz so drängend sei, ist unrichtig - konkrete Zeitplanungen für diesen Umbau bzw. Zwänge zur Abgabe der Elefanten gab es in Berlin noch gar nicht.

Möglicherweise ist für diese Entwicklungen auch die Tatsache, dass das Karlsruher Elefantengehege  mit ca. 1.100 m² nur etwa halb so groß ist wie die Mindestvorgaben des Säugetiergutachtens es fordern zum Teil mitentscheidend. Eine Stellungnahme des Veterinäramtes zu einer entsprechenden Anfrage unseres Vereins steht noch aus.

Interessant ist, dass lt. Presse der Karlsruher Zoo diese Zeit "gut nutzen kann insbesondere für die Pflege der hochbetagten Rani", was zwangsläufig die Frage aufwirft, weshalb dieser Bedarf in den vorigen Zeitplanungen nicht als oberste Priorität eingeplant worden ist. Auch dieser Aspekt der zeitlichen Abfolge ist von Anfang an eine wesentliche Forderung von Elefanten-Schutz Europa gewesen, wurde von Karlsruher Seite bisher nicht zur Kenntnis genommen und erst nach Einbeziehung externer Fachleute entschieden.

Diese neuen Entwicklungen könnten sehr wahrscheinlich dazu führen, dass zum Zoojubiläum im Sommer 2015 nicht mehr Elefanten in der Fächerstadt gehalten werden als zu Jahresbeginn. Abgesehen von ihrem Alter erscheinen die beiden beliebten Elefanten-Seniorinnen derzeit gesundheitlich stabil. Besorgniserregend klingen dagegen eher die in der Presse immer wieder zu lesenden Bemerkungen, dass "Ranis Tod jederzeit zu erwarten" sei. Es ist jedoch zu hoffen, dass auch beim Karlsruher Zoo-Management das Interesse am Wohlergehen der "Stamm-Seniorinnen" in der postulierten "Alters-WG" höher gewertet wird als das Verlangen nach neuen Elefanten und den beiden Tieren die bestmögliche altersgerechte Pflege ohne eine Belastung durch fremde Artgenossen zuteil wird.


15.02.2015: Elefantengehege in Karlsruhe misst nur ca. 1.100 m
 

Bei allen Fragen zur Zukunft der Elefantenhaltung im Zoologischen Garten Karlsruhe gingen Medien, Veterinäramt, das städtische Zoodezernat und auch unser Verein davon aus, dass das Elefanten-Außengehege ca. 1.700 m² Gehegefläche bieten würde. Dieser Wert war in den Medien kommuniziert worden und auf Grundlage dieser Fläche wurden bisher auch die gegenwärtigen Planungen zur Aufnahme zusätzlicher Elefanten vorgenommen bzw. diskutiert.

Durch Zufall konnten nun Planzeichnungen und Luftbildaufnahmen ausgewertet werden, wodurch die Fläche nach unten korrigiert werden muss.
Demzufolge hat die Karlsruher Elefantenanlage nur eine Grundfläche von maximal 1.100 m², worin Wasserbecken und Gräben bereits einberechnet sind.
Vergleiche mit anderen Elefantenanlagen in Deutschland bestätigen dies.

Somit stehen absolut weniger als 2/3 der bisher veranschlagten Fläche zur Verfügung. Das Gehege ist somit nicht nur geringfügig kleiner als die Vorgaben des Säugetiergutachtens als Mindestgröße fordern, sondern nur etwa halb so groß.  Zum Vergleich: Die Bullenanlage des Tierparks Berlin-Friedrichsfelde, um dessen Elefanten sich der Zoo Karlsruhe gegenwärtig bemüht, misst allein 1.300 m².

Ende Januar 2015 wurden auf der Außenanlage des Karlsruher Elefantengeheges Metallpfosten gesetzt, um Vorkehrungen zu treffen, dieses Gehege dauerhaft unterteilen zu können. Offenbar ist den Verantwortlichen inzwischen klar, dass bei Übernahme der Berliner Kühe im Karlsruher Zoo keine harmonisch zusammenlebende Gruppe aufgebaut werden kann, obwohl die Fähigkeit zur Integration als ein Argument für die Beibehaltung des Direkten Kontaktes genannt wird. Eine dauerhafte Abtrennung würde jedoch bedeuten, dass in Karlsruhe Elefanten in Teilgehegen von rund 500 m² gehalten werden würden. Diese Fläche ist nur geringfügig größer als die Außenpaddocks mancher Zirkusse.

Die Zusammenführung unverwandter Elefantenkühe gelingt ohnehin nur selten erfolgreich und ist immer mit Stress verbunden. "Rani" und "Shanti" haben es mit 60 bzw. 59 Jahren verdient, einen friedlichen Lebensabend verbringen zu dürfen. Elefanten-Schutz Europa setzt sich aus Sorge um das Wohlergehen der beiden gesundheitlich angeschlagenen Elefanten-Seniorinnen deshalb dafür ein, dass neue Elefanten erst in Karlsruhe Einzug halten, wenn die beiden ältesten Kühe nicht mehr am Leben sind.

Die absoluten Flächen waren in unserer Argumentation bisher dem sozialen Raumbedarf nachgeordnet.

Doch durch die neuen Verhältnisse sind die sozialen Ausweichmöglichkeiten als deutlich geringer einzuschätzen, als sie z.B. dem Gutachten von Frau Dr. Marion Garaï zugrunde liegen. Zudem sind bei insgesamt nur wenig mehr als 1.000 m² nun auch die absoluten Flächen als ungeeignet zur Übernahme zusätzlicher Elefanten anzusehen. Unter diesen Voraussetzungen wäre eine Bestandsaufstockung auf  5 Elefanten absolut untragbar. Je Tier würden also nur rd. 200 m² vorhanden sein.

Bezüglich des Gutachtens von Frau Dr. Garaï hat das zuständige Veterinäramt die Leitung des Zoologischen Gartens Karlsruhe um eine Stellungnahme gebeten und behält sich vor, den Sachverhalt anschließend neu zu bewerten. Inzwischen sind auch von unserer Seite Amtstierärzte sowie alle weiteren Entscheidungsträger informiert worden, dass als Entscheidungsgrundlage nun von einem Gehege von nur 1.100 m² auszugehen ist.


03.02.2015: Schriftwechsel mit Amtstierarzt Dr. Gerald Geiser, Karlsruhe

Bereits einen Tag nach Information über unsere Bedenken erreichte uns ein promptes Antwortschreiben des zuständigen Amtstierarztes. Darin war nicht zu erkennen,dass unsere Argumente vor Ort nachvollzogen werden konnten. Stattdessen wude als Haupt- und de facto einziger Grund der geplanten Übernahme zweier Berliner Elefanten zu Lebzeiten der sehr alten Publikumslieblinge "Rani" und "Shanti" genannt, dass nach deren erwartetem Ableben eine Einzelhaltung von "Jenny" vermieden werden sollte. Die Bedürfnisse der - gegenwärtig noch lebenden - Altkühe wurden leider nicht erwähnt.

Wir konkretisierten unsere Bedenken und fügten ein Gutachten der Zoologin und Verhaltensforscherin Dr. Marion E. Garai bei. In ihrer Stellungnahme begründet die Wissenschaftlerin, weshalb eine Umsetzung der Transferpläne wie gehabt nicht nur keinem Elefanten gegenwärtig nützen, sondern gleich mehreren Tieren schaden würden. Zusätzlich würde sich auch langfristig sehr wahrscheinlich keine positive soziale Situation einstellen.

In diesem Gutachten werden gleichzeitig Alternativlösungen vorgeschlagen, die dem Zoo und den Elefanten gleichermaßen zugute kommen könnten.

Während die Antwort auf unser erstes Schreiben bereits nach einem Tag erfolgte, haben wir auf die Stellungnahme von Frau Dr. Garai hin bisher noch keine Reaktion erhalten.

Dem Veterinäramt sind darüberhinaus zwei Beiträge aus dem aktuellen Elefanten-Magazin zur Verfügung gestellt worden. Beide wurden von Elefantenpflegern verfaßt

 


28.01.2015: Elefanten-Schutz Europa formuliert seine Bedenken in einem Schreiben an den für den Zoo Karlsruhe zuständigen Amtstierarzt

Bedenken bzgl. der Übernahme zweier Berliner Elefantenkühe vor Ableben von "Rani" und "Shanti"

Sehr geehrter Herr Dr. Hofschulte,

Der Zoo Karlsruhe bemüht sich wie Sie wissen derzeit um den Erwerb zweier Elefantenkühe aus dem Berliner Tierpark. In der Presse war mehrfach zu lesen, dass Sie bereit wären, die Übernahme der beiden Kühe zusätzlich zu den drei bereits im Zoo Karlsruhe lebenden Elefanten für eine Übergangszeit von drei Jahren zu genehmigen ... weiterlesen


04.02.2015: Neuerlicher Beitrag im "Kurier Karlsruhe und erneute Richtigstellung durch die EEG

Nach unserem Leserbrief an die Redaktion "Mucki" folgte am 30.01.2015 ein neuerlicher Beitrag. Zwar wird unter Einfluß von Zoodezernent Obert und kommissarischem Zoodirektor Dr. Becker die Tragweite der Elefantenunfälle in Karlsruhe weiterhin heruntergespielt und mit den in rückständigen Zoos üblichen Fehlinformationen als "Risiko, das mit Tieren immer und überall besteht" kommentiert. Immerhin hat sich die Darstellung der Intentionen unseres Vereins vom Verbreiter "faustdicker Lügen" zu einem sicherlich wohlmeinenden Verein" entwickelt.

Geradezu grotesk mutet allerdings an, dass wir in dem Beitrag indirekt angefragt werden, ob wir unsere Ideen, wie man die Elefantenhaltung im Zoo Karlsruhe denn sicherer machen könne, nicht auch weitergeben möchten. Seit fast zweieinhalb Jahren ist dies neben dem Tierwohl durchgehend unser Hauptanliegen gewesen. Die Reaktion von Zoo und Rathaus Karlsruhe auf unsere Bemühungen zur Weitergabe der - in anderen Zoologischen Gärten seit Jahrzehnten bekannten - Ideen zu mehr Sicherheit lassen sich mit zwei Worten beschreiben: "Annahme verweigert".


23.01.2015: Beitrag im "Kurier Karlsruhe" bezichtigt Elefanten-Schutz Europa, "faustdicke Lügen" zu verbreiten.

Hintergrund ist, dass in den Stellungnahmen des Vereins auch die - zuvor nicht veröffentichten - Unfälle mit Elefanten im Zoo Karlsruhe thematisiert werden. Diese hätten fraglos zum Einbau von Sicherheitsvorkehrungen wie von außen bedenbaren Toren im Erweiterungsbau des Elefantenhauses führen müssen. Der Zoo negiert die Probleme, welche definitiv vorgekommen sind, aber weiterhin. Offenbar in der Annahme, dass Elefanten-Schutz Europa keine genauen Informationen zu den Vorfällen seit den 1960er Jahren bekannt sind, wird dann im Kurier-Beitrag von "faustdicken Lügen" geschrieben.


27.01.2015: Elefanten-Schutz Europa veröffentlicht die Unfallereignisse im Zoo Karlsruhe



14.01.2015: Fehlinformationen der Presse durch Zoodezernent Obert setzen sich fort - Richtigstellung als Homepagebeitrag von Elefanten-Schutz Europa
 

Offenbar läßt sich Bürgermeister und Zoodezernent Michael Obert weiter von den falschen Quellen beraten, denn auch die neuesten Interviews verbreiten nicht zutreffende Informationen. Elefanten-Schutz Europa beschränkt sich an dieser Stelle darauf, die wesentlichsten Aussagen richtigzustellen .... weiterlesen

Die lokalen Medien wurden hierüber informiert.


07.01.2015: Stellungnahme des Vereins und ein Fernsehbeitrag auf BADEN-TV

BADEN-TV, ein Regionalsender, strahlt einen TV-Beitrag zur geplanten Übernahme der Berliner Elefanten aus, in dem auch Bedenken von Elefanten-Schutz Europa zur Sprache kommen. Hierfür hatte BADEN-TV unseren Verein zuvor um eine Stellungnahme gebeten, eine Anfrage welcher wir sehr gern nachgekommen sind.


06.01.2015: Nachdem in Interviews des Zoodezernenten und Bürgermeisters Michael Obert weitere nicht zutreffene Informationen verbreitet werden, stellt Elefanten-Schutz Europa diese auf der Homepage erneut richtig.

Karlsruhe: Stellungnahme von Michael Obert bleibt inhaltlich haltlos

Auf Ka-news.de nimmt Zoodezernent und Bürgermeister Michael Obert Stellung zu einigen der Probleme, die Elefanten-Schutz Europa im Fall der Übernahme von „Louise“ und „Astra“ aus Berlin sieht. http://www.ka-news.de/region/karlsruhe/Karlsruhe~/Gnadenhof-fuer-Elefanten-Wird-der-Karlsruher-Zoo-den-alten-Tieren-gerecht;art6066,1550437
Seine Stellungnahme hat den Bedenken unseres Vereins inhaltlich nichts entgegenzusetzen, sondern versucht, von den eigentlichen Problemen abzulenken... weiterlesen


Dezember 2015: Homepagebeitrag von Elefanten-Schutz Europa:

Karlsruher Elefantenherde wird größer?                                             

Hintergründe zur geplanten Aufnahme zweier weiterer Elefanten und Richtigstellung unzutreffender Aussagen des kommissarischen Zoodirektors Dr. Clemens Becker

Nach einem Bericht der Zeitung „Badische Neueste Nachrichten“ vom 13. Dezember 2014 sollen die Asiatischen Elefantenkühe „Louise“ (41 J.) und „Astra“ (34 J.) Anfang 2015 aus dem Tierpark Berlin in den Zoo Karlsruhe umziehen.                                                                                                                                                                   

Wenn dieser Transfer tatsächlich so stattfindet, würde das  für die Elefanten in beiden Zoos eine massive Verschlechterung der Situation darstellen und ....weiterlesen


13.12.2014: Der Zoo Karlsruhe gibt in der Presse bekannt, dass man 2015, im Jahr des 150-jährigen Zoojubiläums, die Übernahme zweier Elefantenkühe aus Berlin anstrebe.


Dezember 2014: Inzwischen sind nach Recherchen der European Elephant Group mehrere Unfälle durch bzw. Angriffe von Elefanten im Zoo Karlsruhe bekannt geworden


2014: Aufgrund wiederholter Mitteilungen verschiedener Personen zum Drill der Elefanten im Karlsruher Zoo wendet sich Elefanten-Schutz Europa erneut an Zoo und Stadt Karlsruhe mit der Bitte um ein Gespräch.

Erneut erst nach wiederholter Nachfrage entschließt man sich bei der Stadt zu reagieren. Unsere Bedenken werden zurückgewiesen, eine Gesprächstermin abgeblockt und schließlich auch deutlich gemacht, dass von Zoo bzw. Stadt Karlsruhe kein Interesse an einem weiteren Dialog besteht.

Bitte um einen Gesprächstermin der EEG, Juli 2014

Nachfrage EEG, September 2014

Antwortschreiben der EEG, Dezember 2014


2013/2014: Wiederholte Beschwerden bzgl. des unmäßig harten Umgangs der Elefantenpfleger mit den betagten Kühen

  • überdurchschnittlich häufiger Hakeneinsatz durch die Pfleger
  • Forderung überkorrekter Ausführung von Kommandos beim Ausrichten
  • Antreiben der älteren und z.T. bewegungseingeschränkten Elefanten zu schnellerem Laufen
  • überdurchschnittliche Bestrafungsaktionen, wenn Elefanten den Aufforderungen nicht schnell genug nachkommen.

März 2014:  Zum Tod von Elefantenkuh „Ilona“ im Zoo Karlsruhe

Am 31. März 2014 musste im Zoo Karlsruhe die ca. 52-jährige Asiatische Elefantenkuh „Ilona“ wegen unheilbarer, schwerer Arthrose eingeschläfert werden. Angesichts dessen, das „Ilona“ seit Monate eigentlich überhaupt nicht mehr laufen konnte und in extrem schlechtem Allgemeinzustand war, kam diese Entscheidung nicht überraschend und ist nachvollziehbar.

Es ist allerdings sehr traurig, dass „Ilona“ nach ihrem Wechsel vom Zoo Heidelberg nach Karlsruhe im November 2009 die letzten Jahre ihres Lebens (wieder) in einem Zoo verbringen musste, dessen Elefantenpfleger zu „Hardlinern“ unter den Anhängern des Direkten Kontakts gehören und die nicht zögern, auch gegenüber alten und schwerkranken Elefanten auf brutale Weise Gebrauch vom Elefantenhakens zu machen.

Sogar in der Woche vor ihrem Tod – der körperliche Zustand der Elefantenkuh war katastrophal schlecht – wurde „Ilona“ vor den Augen einer schockierten Besucherin (Name dem Verein bekannt) durch groben Hakeneinsatz dazu angetrieben, sich schneller zu bewegen. Durch solch rücksichtsloses Verhalten schaffen Elefantenpfleger selbst die besten Argumente, warum ein Wechsel auf Geschützten Kontakt nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch zur Gewährleistung des Tierschutzes dringend erforderlich ist!

Von den folgenden Bildern stammt das Linke aus dem Jahr 2012, als „Ilona“ das Laufen bereits sehr schwer fiel. Das Rechte entstand 3 Tage vor Einschläferung des Tieres:


2013: Der Erweiterungsbau ist komplett fertiggestellt. Sicherheitsgerechte, von außen bedienbare Tore wurden nicht eingebaut.


2012/2013: Nachfragen von Elefanten-Schutz Europa zum Sicherheiskonzept

Unser Verein weist nochmals darauf hin, dass die Anzahl der im Direkten Kontakt gehaltenen Elefantenkühe stetig abnimmt, weshalb eine längerfristige Sicherung der Elefantenhaltung den Einbau von außen bedienbarer Torsysteme bedeutsamer werden läßt.

Unfälle mit Elefanten im Zoo Karlsruhe sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt geworden.

Die Antwort bleibt inhaltlich erneut ohne Aussage, weist unsere Bedenken jedoch pauschal zurück

2. EEG-Nachfrage bei der Stadt Karlsruhe, Dezember 2012


Herbst 2012: Erweiterung des Elefantenhauses nach der Brandkatastrophe. Vereinsanfrage während der Umbauarbeiten bezüglich der Sicherheitsvorkehrungen

Nicht nach den ersten beiden Anfragen, sondern gleichzeitig mit unserem dritten Versuch zur Kontaktaufnahme zur Leitung des Zoos Karlsruhe, erhielten wir Post zunächst der Direktorin Frau Dr. v. Hegel, nachfolgend auch von ihrem Vorgesetzten, dem für den Zoo zuständigen Bürgermeister der Stadt Karlsruhe.
Kurz zusammengefasst beantwortet keiner dieser Briefe unsere Frage nach dem Einbau fernbedienbarer Tore im Zuge der Erweiterung des Elefantenhauses. Verwiesen wird stattdessen auf den kompletten Neubau im Zuge der Zooumgestaltung.

Die jeweiligen Schreiben können hier nachgelesen werden:

EEG-Anfrage beim Zoo Karlsruhe 2012                                                                                       

EEG-Anfrage bei Bürgermeister und Zoo Karlsruhe 2012


Einige Aussagen möchte Elefanten-Schutz Europa jedoch hinterfragen:

Die Meinung, erst bei der im Rahmen des Zooausbaus geplanten Elefantenzuchtanlage auf sicherheitstechnische Aspekte Rücksicht nehmen zu müssen, ist viel zu kurz gedacht und gefährdet das Leben der Elefantenpfleger noch auf viele Jahre.
Die ursprünglich angedachte Fertigstellung (!) für 2015 ist inzwischen unmöglich. Auch ein Baubeginn „in naher Zukunft“ dürfte illusorisch sein: Bei der Haushaltslage der Stadt Karlsruhe sowie dem Ringen um die Gelder für ein geplantes Exotenhaus (10 – 18 Mio. Euro) wären ansonsten sicher keine 880.000 Euro in einen Anbau an das alte Elefantenhaus investiert worden.

Widersprüchlich sind die Angaben von Bürgermeister Obert und Zoodirektorin Frau Dr. v. Hegel. Während im Brief des Bürgermeisters steht: „Die Sicherheitssituation für das Elefantenpflegerteam verbessert sich durch die geplanten Einbauten deutlich“, findet sich in der Antwort des Zoos kein solcher Hinweis: „Unser…Anbau… dient ausschließlich einer Verbesserung der Haltungsbedingungen während der Wintermonate.“ Sollten keine fernbedienbaren Tore vorgesehen sein, würde der Ausbau nicht den Forderungen der Fachgruppe des EAZA Elephant TAG entsprechen: „ New / renovated enclosures should be constructed in such a way that it is possible to handle elephants by protected contact“ (EAZA Elephant TAG, 2004)

Weiter heißt es im Antwortschreiben des Zoos: „ Sollten weitere bauliche Veränderungen im Hinblick auf das Handling der Tiere…notwendig sein, hat der Karlsruher Zoo bisher immer eine Lösung gefunden.“
Das Problem an dieser Einstellung ist, dass ein Umbau nach einem Angriff viel zu lange dauert und die Tierpfleger in eine unzumutbare und lebensgefährliche Situation bringt. Erinnert sei daran, dass nach dem Unfall in Augsburg der einzige Pfleger, der noch mit allen Elefanten umgehen konnte, fünf Wochen lang ohne freien Tag bis zum Abtransport der Afrikaner durcharbeiten musste!
Zudem kostet ein neuerlicher Umbau deutlich mehr Geld, als gleich bei der Erstausstattung die Tore fernbedienbar auszuführen. Das ist gerade im Hinblick auf die finanzielle Lage der Stadt Karlsruhe zu kurz gedacht.

Der von der Zoodirektorin  angesprochene Punkt 3 bezieht sich auf den verstärkten Hakeneinsatz des Pflegerteams, speziell seit den jüngsten Personalwechseln im Elefantenrevier. Die personellen Wechsel sind dokumentiert und nachvollziehbar, die Tatsache, dass etliche Angriffe weltweit verstärkt nach Pflegerwechsel stattfanden und –finden ebenso. Zur Verdeutlichung des „unterstützenden Einsatzes“ des Elefantenhakens haben wir stellvertretend ein paar Fotos eingestellt (alle Bilder: Archiv EEG).

Im Widerspruch zu der verharmlosenden Darstellung auf unsere Fragen hin steht auch, dass der Zoo dem Besucher gegenüber sehr wohl auf die Gefährlichkeit aller Elefanten hinweist – und somit die Notwendigkeit zur Dominanz der Pfleger als Superalphas und zur Bestrafung zu begründen versucht, „…gegebenenfalls auch durch Einsatz eines Elefantenhakens oder der Peitsche…“ (s. Foto)

Allerdings lassen sich viele Elefanten auch durch brutalen Hakeneinsatz nicht auf Dauer unter Kontrolle bringen. So wurde von mehreren Personen unabhängig voneinander beobachtet, dass Einzeltiere in Karlsruhe Kommandos trotz Hakeneinsatzes nicht ausführten oder dass mehrfach die Elefantenvorführungen ohne Begründung abgesagt wurden bzw. oft nur bei Anwesenheit des Revierleiters durchgeführt werden. Zusätzliche Gefahr droht durch Auseinandersetzungen innerhalb der Herde: trotz Eingreifen der Pfleger wurde die betagte Kuh „Rani“ bei einer Auseinandersetzung mit „Jenny“ umgestoßen und musste wochenlang am Vorderbein behandelt werden.

Hinweistafel im Zoo Karlsruhe bzgl. der Gefährlichkeit von Elefanten sowie der Philosophie des Direkten Kontaktes. Foto: Archiv EEG

Sommer 2012: Umbauarbeiten am Elefantenhaus

Das beschädigte Elefantenhaus soll einen Anbau mit Sandboden erhalten. Die Forderungen der EAZA-Expertenkommission (Elephant TAG) besagen seit 2004, dass auch bei Umbaumaßnahmen Voraussetzungen für Geschützten Kontakt zu schaffen sind - nicht nur bei kompletten Neubauten.

New / renovated enclosures should be constructed in such a way that it is possible to handle elephants by protected contact“ (EAZA Elephant TAG, 2004)

Ob diese beim Umbau des Karlsruher Elefantenhauses geplant sind, steht zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest.


2012: Unser Verein erhält von mehreren Seiten Beschwerden zu den Haltungsmethoden im Zoo Karlsruhe

Anhand der Beobachtungen kann von einem "moderaten Umgang" nicht die Rede sein. Am häufigsten genannt wurden:

  • überdurchschnittlich häufiger Hakeneinsatz durch die Pfleger
  • Forderung überkorrekter Ausführung von Kommandos beim Ausrichten
  • Antreiben der älteren und z.T. bewegungseingeschränkten Elefanten zu schnellerem Laufen
  • überdurchschnittliche Bestrafungsaktionen, wenn Elefanten den Aufforderungen nicht schnell genug nachkommen.

13.11.2010: Brand im Zoo

Bei einem Brand im Streichelzoo sterben 26 Tiere. Auch das Elefantenhaus wird schwer beschädigt, Elefanten erleiden z.T. Verbrennungen