Zusammenarbeit unseres Vereins mit osteuropäischen Zoos

Ein Bericht von Thomas Dütsch

Vereine, die sich für Tierschutz und  für eine artgerechte Tierhaltung einsetzen, werden oft von den Tierhaltern und Tierbesitzern als Fundamentalisten, Oberlehrer, Besserwisser oder unverbesserliche Theoretiker wahrgenommen.
Elefanten-Schutz Europa will jedoch nicht nur Kritik oder Lob äußern und Berichterstatter von Beanstandungen sein, sondern in Zusammenarbeit mit den Zooleitungen, Kuratoren, Biologen, Tierärzten, Wissenschaftlern und Tierpflegern die Haltung und Lebensqualität von Elefanten in der Obhut der Menschen verbessern helfen.

Kooperation ist also ein wichtiger Baustein für unsere Vereinsarbeit. In einigen Bereichen leben wir bereits eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit verschiedenen Zoos oder Tierhaltungen. Zu den meisten osteuropäischen Zoos beispielsweise konnte unser Verein in der Vergangenheit jedoch nur wenig bis gar keine Kontakte aufbauen. Dort sind aber sowohl die Defizite in der Elefantenhaltung als auch die Datenlücken ungleich gravierender als in vielen Zoos der westlichen Welt.

Beruflich und privat reise ich sehr oft in die Länder der ehemaligen Sowjetunion und ich habe dort viele Freundschaften schließen können. Aufgrund dieses Sachverhalts hat mich unser Vorstand im Jahr 2011 gebeten, Kontakte zu osteuropäischen Zoos herzustellen.
Es liegt auf der Hand, dass angemessene Arbeitsmaterialien für Tierpfleger Grundvoraussetzung sind, um ihre Schützlinge angemessen betreuen zu können. Doch bereits daran mangelt es vielerorts in Zoos Osteuropas: Bei meinen Zoo-Rundgängen hatte ich viele Kontakte zu den Tierpflegern. Dabei ist mir aufgefallen, dass viele Tierpfleger nur Hausschuhe tragen. Meine Nachfragen ergaben, dass Gummistiefel oder gar Sicherheitsschuhe für viele dieser Pfleger schlichtweg unbezahlbar sind. Hausschuhe sind die preisgünstigsten Sommerschuhe und Geld für Schuhe wird in der Regel für die Winterstiefel zurückgelegt.
Der nominale Durchschnittslohn zum Beispiel in der Ukraine lag im April 2011 bei 2.533 Hrywnja (ca. 220 €). Dazu sollte man wissen, dass die Gehälter der Tierpfleger in der Ukraine unterhalb des Durchschnittlohns liegen.

In meiner beruflichen Situation pflege ich viele Kontakte zur Industrie und zu Dienstleistungsunternehmen. Deshalb habe ich Kontakt zu einem Hersteller von Schuhen aufgenommen, der europäischer Marktführer im Bereich Sicherheitsschuhe ist. Nachdem ich unser Anliegen geschildert habe, hat sich der Hersteller spontan entschlossen, unseren Verein zu unterstützen. Wenige Tage später habe ich 50 Paar hochwertiger Sicherheitsschuhe erhalten. Die Firma möchte ungenannt bleiben und hat auch auf eine Spendenquittung verzichtet. Der Vertriebsleiter hat mich nur gebeten, Fotos von der Übergabe der Schuhe zu senden.

Als ersten Tierpark mit Elefantenhaltung habe ich den Zoo von Almaty in Kasachstan für unser Geschenk ausgewählt. Die Wahl fiel auf Almaty, weil dieser Zoo in diesem Jahr sein 75-jähriges Jubiläum feiert. Im Zoo Almaty leben zwei junge Asiatische Elefanten, der Bulle „Lao“ (= „Laokompoma“) und das Weibchen „Aru“. Beide wurden ca. 1998 wild geboren und im Jahr 2000 aus Laos importiert. Ein ausführlicher Bericht zu dieser Haltung ist in Vorbereitung.

Abb. links: Kuh „Aru“ (li.) und Bulle „Lao“, ca. 13-jährig im Jahr 2011  
Abb. rechts: Die Elefanten auf de Außenanlage (2011)

Die Sicherheitsschuhe wurden von meiner Kollegin aus Almaty am 6. April 2012 im Beisein des stellvertretenden Direktors und des zuständigen Kurators an die Elefantenpfleger überreicht.
Unser Geschenk war für den Zoo überraschend und hat große Freude ausgelöst. Wenige Tage später habe ich folgende Danksagung vom Direktor des Zoos  A. Abdrachimow erhalten

 „Sehr geehrter Herr Dütsch!

Die Verwaltung des Zoos Almaty spricht Ihnen persönlich sowie den offiziellen Vertretern und Freunden von Elefanten-Schutz Europa unsere riesengroße Dankbarkeit aus für die Lieferung spezieller Sicherheitsschuhe, die ungewöhnliche Geschenke an die Verantwortlichen und Tierpfleger des Elefantenbereichs sind.
Die Asiatischen Elefanten „Lao“ und „Aru“ sind vor 11 Jahren aus Laos nach Kasachstan gekommen. Seit dieser Zeit wohnen sie im Zoo Almaty einträchtig zusammen. Sie sind von der Liebe der Zootierpfleger ständig umsorgt und sind die populärsten Tiere unter unseren Besuchern.
Ihre Position teilend, bin ich überzeugt, dass die hohen Standards für die Haltung der majestätischen Riesen in der Gefangenschaft Grundlage ihrer Zoohaltung sein sollten.

Sehr geehrter Herr Dütsch, sobald Sie erstmalig nach Kasachstan reisen, bitten wir Sie, die Stadt Almaty zu besuchen und mit diesen edlen Tieren persönlich zu liebäugeln.

 Der Direktor des Zoos Almaty, A.Abdrachimow“

 

Oben: Übergabe der Sicherheitsschuhe an den stv. Direktor und die Pfleger des Almaty-Zoos am 6.April 2012 und Begegnung mit „Lao“ (re.) und „Aru“

Dieses Schreiben und die Bilder zeigen, welch große Wirkung unser kleines Geschenk bei den Verantwortlichen und den Tierpflegern ausgelöst hat. Sie dürften den Tierpflegern ihre Arbeit z. T. beträchtlich erleichtern und können somit indirekt dem Wohl der beiden Elefanten zugute kommen.  Der gute Kontakt zwischen dem Zoo Almaty und unserem Verein ermöglicht es uns, zukünftig direkt über die Zooleitung Informationen über deren zukünftige Entwicklung zu erhalten und dürfte auch die Klärung historischer Daten erleichtern. Ein zusätzlicher Nebeneffekt war ein Artikel über unseren Verein und unser Geschenk in der größten Tageszeitung von Almaty. 
In diesem Jahr werden wir noch weitere Zoos in Osteuropa mit unseren “ungewöhnlichen Geschenken” überraschen.

Die erfolgreiche Schuhaktion hat unseren Vorstand und mich animiert, weitere Kooperationsmöglichkeiten zu planen, bei denen mit vergleichsweise geringem Aufwand ein hoher Nutzen für die gehaltenen Elefanten möglich wird. Mehr dazu erfahren Sie demnächst im Elefanten-Magazin.